Im Flugzeug nach Bangkok
Im Flugzeug nach Bangkok

Der Start verlief ereignislos. Nach dem Erreichen der Reiseflughöhe, begannen die Stewardessen mit Ihrem Service. Wie schon im vorangegangenen Flug bekam ich, zur Überraschung meines Sitznachbarn, mein „Special Meal“ wie immer zuerst. Für den Flug von Dubai nach Bangkok hatte ich mir ein Seafood Menü bestellt. Hier muss ich einmal ein Lob auf Emirates ausbringen. Das Essen an Bord ist, zumindest bei dem vorbestellten Menü’s, erstklassig. Beim nächsten Flug werde ich von den schmackhaften Menü’s Fotos machen. Leider kann man den guten Geschmack und den aromatischen Duft, den das vorbestellte Essen verbreitet, nicht mit fotografieren.

Noch nicht am Ziel...
Noch nicht am Ziel…

Ich erklärte meinem Sitznachbarn, warum ich das Essen immer bereits online vorbestellte. Er war so von meinem Vorgehen begeistert, dass er vor seinem Rückflug sein Essen auch online bestellen will. Nachdem auch er gegessen hatte  und nach langer Warterei von der Toilette zurück kam, kamen wir intensiver ins Gespräch. Sein Bruder und er verkauften Autos in Abu Dhabi sowie in Dubai. Jetzt war er auf dem Weg nach Bangkok, um sich dort ein wenig zu „Erholen“. Sofern er ein bisschen Zeit hat, fliegt er regelmäßig nach Thailand. Dort wurde er von dem Fahrer seines Hotels abgeholt. Bei der Hotelbuchung bestand er immer darauf, vom gleichen Fahrer abgeholt zu werden, da er sich bei seinem Fahrer im Auto sicher fühlte. Warum das auch in Zukunft bei mir der Fall sein wird, werde ich in Kürze selbst erleben. Das konnte ich jedoch zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht wissen. Scheinbar fühlte er sich in meiner Gesellschaft wohl, denn nun drehte er richtig auf. Seine Geschichten, die er in den letzten Jahren in Thailand erlebt hatte, versuchte er mir in allen Einzelheiten zu erzählen. Da er sehr oft nach Thailand flog, konnte das dauern. Aber ich hatte ja doch nichts besseres zu tun. So ließ ich mich darauf ein und genoss seine Anekdoten. Es war schwer einzuschätzen, was an seinen Geschichten Dichtung oder Wahrheit war, da ich dieses Land noch nicht kannte. Jedoch klangen seine Geschichten sehr abenteuerlich. Wie sollte ich wissen, dass meine Geschichten in Süd-Ost-Asien um keinen Deut glaubwürdiger seien werden. Der Flug war dank der Geschichten sehr kurzweilig und unterhaltsam. Nur kurz unterbrochen durch den Service der Stewardessen. Was wäre ich froh gewesen, wenn ich diesen Menschen bereits in Dubai gekannt hätte. Die sechs Stunden von Dubai nach Bangkok flogen an mir sprichwörtlich vorbei, wie im Fluge.

Beim Landeanflug merkte ich ein wenig Nervosität in mir aufsteigen. Jetzt sollte mein Abenteuer beginnen. In wenigen Minuten betrete ich thailändischen Boden. Ich schaute aus dem Fenster, sah Wiesen und Felder und immer mehr Häuser. Die Häuser wurden größer und größer. Das lag zum einen daran, dass das Flugzeug immer tiefer flog und zum anderen, dass die Häuser wirklich größer wurden. Da waren immer mehr Straßen und Autos zu sehen. Breite Autobahnen und geschäftiges Treiben. Hatte ich mir Thailand so vorgestellt? Wie hatte ich mir dieses Land überhaupt vorgestellt? All dies ist jetzt egal. Das Flugzeug setzte weich auf und rollte langsam zum Gate. Jetzt noch Tasche packen und dann raus hier. Zwölf Stunden im Flieger machen ganz schön müde. Ich weiß nicht ob ich es schon erwähnt habe, aber ich kann in Flugzeugen nicht schlafen.

Als ich das Flugzeug verließ, um über die Fluggastbrücke ins Gebäude zu gelangen, schlug mir kurzzeitig die unbarmherzige Hitze Bangkoks entgegen. Meine Schweißdrüsen gingen gleich wieder in den Verteidigungsmodus über. Dies legte sich jedoch, sobald ich das Flughafengebäude betrat. Nun erst einmal wieder zu orientieren. Auch der Bangkok International Airport, oder besser Suvarnabhumi  Airport wie er richtig heißt, ist riesig. Gott sei Dank ist die Beschilderung, wie an allen internationalen Flughäfen, in nationalen und internationalen Sprachen verfasst. Die Laufbänder erleichtern es den Passagieren, die großen Entfernungen innerhalb des Flughafens zurückzulegen. An Bord des Flugzeugs bekamen alle Passagiere eine Einreisekarte (Arrival/Departure Card). Diese musste gleich im Flugzeug ausgefüllt werden, um die Wartezeit bei den Einreiseformalitäten so kurz wie möglich zu halten.

Nachdem ich bei der Einreise mein 30 tägiges Touristenvisum erhalten hatte, konnte ich mir jetzt das richtige Gepäckband auf dem Monitor suchen. Mein Flug stand schon angegeben, daher war das Gepäckband schnell gefunden. Ich war froh, dass die Klimaanlage im Flughafengebäude so gut funktionierte. Nach 15 Minuten Wartezeit kam mein Koffer aus den Tiefen des Flughafens. Ich zog den Griff aus meinen Koffer, legte die Laptoptasche auf den stehenden Koffer und lief Richtung Zoll. Die Zollbeamten würdigten mich keines Blickes, genau so wenig, wie den anderen Reisenden. Meinen Sitznachbarn habe ich nicht wiedergesehen, leider. Jetzt musste ich meinen Fahrer suchen, den mir mein Hotel geschickt hatte. Ich lief also, wie verabredet, Richtung Meeting Point. Leider war ich nicht der einzige, der von einem Fahrer abgeholt wird. Da standen nun mehr als 200 Fahrer auf der Suche nach Ihren Passagieren. Alle hielten ein mehr oder weniger deutliches Schild in den Händen, um ihre Fahrgäste zu finden. Jetzt musste ich hoffen, dass mein Fahrer sich nicht verspätet hat, da das Suchen schon jetzt eine Sisyphus Arbeit darstellte. Nachdem ich die Reihe der Fahrer mehrmals abgeschritten habe, fand ich schließlich den einen, meinen Fahrer. Einen jungen Thai, Anfang 20, der mich für europäische  Verhältnisse schon fast unterwürfig begrüßte.

Er nahm gleich mein Gepäck und wir gingen zum Auto. Ich hielt noch schnell an einem Geldautomaten im Flughafen an, um mich schon mal mit thailändischem Geld einzudecken, dem thailändischen Bath. Wir mussten durch zwei Glastüren, um nach draußen zu gelangen. Als wir durch die erste Glastür gingen kam mir schon ein Schwall heißer Luft entgegen. Meine Schweißdrüsen gingen bereits in Alarmbereitschaft. Das war jedoch noch gar nichts im Vergleich, was mich hinter der zweite Tür erwartete. Die Hitze traf mich wie ein Hammer, hart, unvorbereitet und unerbittlich. Zu der Hitze kam die hohe Luftfeuchtigkeit. Die Schweißperlen liefen sofort über mein Gesicht; aus Schweißperlen wurden Schweißbäche. Um zum Wagen zu gelangen, mussten wir einen gläsernen Aufzug nehmen. Über die Temperaturen in diesen gläsernen Aufzug kann ich nur spekulieren, bin aber heute noch froh darüber, dass ich nur zwei Etagen mit diesem Aufzug fahren musste.

Nachdem wir am Auto angekommen waren, lud der Fahrer mein Gepäck in den Kofferraum ein. Wie selbstverständlich stellte ich mich zum Einsteigen vor die Beifahrertür. Der Fahrer schaute mich ganz entgeistert an und fragte ob ich lieber fahren möchte. Zuerst wusste ich nicht was er von mir wollte, bis mir auffiel, das sich auf der vermeintlichen Beifahrerseite das Lenkrad befand. Natürlich, schoss es mir durch den Kopf, Thailand hat ja Linksverkehr. Wir tauschten also wieder die Seiten, ich stieg links ein und der Fahrer auf seiner Seite. Durch meine Müdigkeit fiel der Groschen jetzt Pfennigweise. Jetzt hatte ich noch ungefähr 90 Minuten Fahrt vor mir. Hatte ich schon gesagt, dass ich auch im Auto nicht schlafen kann?

Mein Fahrer fuhr los ins Erdgeschoss, bezahlte 30 Baht Parkgebühren und verließ das Parkhaus Richtung Autobahn. Auf dem Weg nach Pattaya passierten wir zwei Mautstellen, an denen der Fahrer jeweils 30 Baht Autobahngebühr bezahlen musste. Der Fahrstil des Fahrers erinnerte mich mehr an Michael Schumacher in seinen besten Tagen, als an eine ruhige und gesittete Autofahrt. Gleich fielen mir die Geschichten meines Flug-Nachbarn wieder ein. Jetzt weiß ich, warum er darauf bestand, dass er immer vom gleichen Fahrer am Flughafen abgeholt werden wollte. Als ich den Fahrer darauf ansprach, ob er immer so fahren würde entgegnete er mir, dass er bei jeder Fahrt probiert, die Strecke in immer kürzerer Zeit zurückzulegen. Zurückblickend denke ich, dass er bei dieser Fahrt alle nur erdenklichen Rekorde gebrochen hat. Ich hatte den Eindruck, dass es in Thailand weder ein Links- noch ein Rechtsfahrgebot gibt. Und wenn es so etwas geben sollte, interessiert es hier niemanden. Dazu sollte ich noch erwähnen, dass die Klimaanlagen in den thailändischen Autos grundsätzlich auf Tiefkühl Temperatur eingestellt sind. Die Fahrt raus aus Bangkok nach Pattaya beeindruckte mich. Riesige Werbetafeln, die links und rechts an den Autobahnen aufgebaut sind, erinnerten mich stark an Amerika. Palmen und grüne Hügel säumten den Straßenrand. Ich war jetzt geschlagene 40 Stunden wach, aber meine Müdigkeit war wie weggeblasen.

Pattaya
Pattaya

Alles war neu und aufregend. Als das Ziel unserer Fahrt immer näher kam und wir in Pattaya hinein fuhren, kam mir alles so unwirklich vor. Ich war knapp 12 000 km von Zuhause weg, befand mich in einer Stadt, in der ich niemanden kannte und fahre in ein Hotel, das für mich nur vom Internet her existierte. Hier bin ich nun, mitten in meinem Abenteuer, übermüdet und trotzdem hellwach. Diese Küstenstadt war beeindruckend und befremdlich zugleich. Überall Motorräder und Autos, ein großes Durcheinander, welches doch einer gewissen Ordnung folgte. Eine Ordnung die sich uns Europäern nicht beim ersten Hinsehen erschloss. Und doch funktioniert sie. Nach etwas über einer Stunde Autofahrt und etlichen Beinahe- Unfällen erreichte ich mein Hotel. Von außen sehr sauber und ansprechend. Die Autotür wurde geöffnet, mein Gepäck auf einen Wagen verladen und ich wurde sogleich zur Rezeption geleitet. Die nette Rezeptionistin wusste gleich wer ich bin, da Sie es war, die meine Anmeldung bearbeitet hatte. Nachdem die Formalitäten erledigt waren, brachte mich ein Page auf mein Zimmer.

Pattaya Beach
Pattaya Beach

Es ging mit dem Aufzug in die achte Etage. Der Page öffnete das Zimmer, brachte mir mein Gepäck und erklärte mir die Funktion von Klimaanlage und Fernseher. Ich gab ihm ein angemessenes Trinkgeld, er verließ das Zimmer und ließ mich alleine. Auf einmal war alles still. Man konnte eine Stecknadel fallen hören. So ruhig war es auf einmal. Kein lärmendes Flugzeug, keine Rallye fahrenden Autos, keine hektischen Menschen, einfach nur Ruhe.

Ich ging zum Fenster und schaute hinaus.

Pattaya Beach von meinem Hotelzimmer aus im Sandy Spring Hotel
Pattaya Beach von meinem Hotelzimmer aus im Sandy Spring Hotel

Ein überwältigender Anblick. Ich schaute auf das weite Meer hinaus, ging ein paar Schritte zurück und ließ mich aufs Bett fallen. Wie spät es war, weiß ich heute nicht mehr, aber als ich wieder wach wurde war es dunkel. Jetzt war es amtlich, ich bin in meinem Abenteuer angekommen. Koffer auspacken, dann die durchgeschwitzten Sachen ausziehen, ab unter die Dusche und den Dreitagebart abrasieren. Nachdem ich mich wieder frisch gemacht hatte, fühlte ich mich wie ein neuer Mensch. Jetzt habe ich drei Nächte Aufenthalt hier in Pattaya, bevor ich weiter fliege zum meinem Endziel Kambodscha. Dem Land der Khmer. Aber jetzt bin ich erst einmal in Thailand. Nun habe ich wieder Zeit um Energie zu tanken, um für die noch kommenden Abenteuer gewappnet zu sein. Alle wichtigen und wertvollen Dinge wie Kreditkarten, Reisepass, Geld und Videokamera  schloss ich in den Hotelsafe ein, nahm meinem Zimmerschlüssel und verließ den Raum. Zum Aufzug, hinunter in die Lobby. Ich gab meinen Schlüssel an der Rezeption ab und ging hinaus. Angekommen in meinem Abenteuer!

Thailand – hier bin ich!

Thailand - Da bin ich!!!
Thailand – Da bin ich!!!

<<< Teil 6 | Teil 8 >>>

 

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.