Im Flugzeug nach Dubai
Im Flugzeug nach Dubai

Im Flieger den im Voraus reservierten Sitz in Besitz genommen. Links hinten den Platz am Gang. Da die hinteren Plätze direkt nach der First- und Business Class einsteigen dürfen, ist das Gedränge noch nicht so groß.  Mein Platz war in der vorletzten Reihe und ich war daher dem Gedränge der nachströmenden Passagiere „Gott sei Dank“ entkommen. Das Handgepäck gut verstaut, den MP3-Player samt Kopfhörer in das Sitznetz neben den obligatorischen Zeitschriften verstaut und warten bis alle in der Tourist-Class Platz genommen haben. Den hinteren Bereich habe ich mir durch den Tipp einer befreundeten Stewardess ausgesucht. Diese hat mir erzählt, dass die Überlebenschancen bei einem „unvorhersehbarem Ereignis“ im hinteren Teil der Maschine am größten sind. Ob das wahr ist oder nicht, ist mir im Grunde egal. Komischerweise buche ich seitdem immer eine der hinteren Reihen. Es ist schon lustig mit anzusehen, wie die Leute es immer wieder schaffen, sich gegenseitig im Weg zu stehen. Ein Mann mit südländischem Aussehen hatte die Ruhe weg. Er kam an seinem Platz, wuchtete sein Handgepäck, mit dem er bei Ryanair niemals an Bord gekommen wäre. So groß und schwer war seine Tasche, die nur mit ach und krach in dem Gepäckfach verschwand. Nachdem er den Gang wieder freigegeben hatte, fiel ihm wohl plötzlich auf, dass er zum Lesen seine Brille benötigt. So ein Zufall aber auch. Und wo befand sich die Brille? Natürlich – oben im „Handgepäck“, oder was er Handgepäck nannte. Andere Familien fliegen mit so etwas drei Wochen in den Urlaub. Aber gut. Damit nicht genug. Er brauchte seine Brille. Nicht in 10 Minuten, wenn alle Passagiere ihre Plätze eingenommen haben. Nein. Natürlich jetzt. Sofort! Er stand auf, schob einen anderen Passagier zur Seite, holte seinen Seesack wieder herunter und öffnete den oberen Reißverschluss. Selbstverständlich blieb er im Gang stehen, damit alle anderen Passagiere darauf warten mussten bis er seine Brille gefunden hatte. Und wie gesagt, die Tasche war groß. Nachdem er irgendwann am Boden der Tatsachen oder besser gesagt, der Tasche angekommen war und die Brille noch nicht gefunden hatte, schloss er die Tasche und wuchtete diese mit einem großen Schnaufen wieder in das Gepäckfach. Er zog seine Jacke aus und legte auch diese wieder ins Gepäckfach. Während er die Jacke nach oben ins Gepäckfach legte, fiel etwas aus der Jacke auf den Boden. Es war (s)ein Brillenetui. Er bückte sich und man konnte sehen, wie sich seine Gesichtsfarbe nach feuerwehrrot wechselte. Jetzt hätte es nur noch gefehlt, dass er auf das Brillenetui getreten wäre. Inzwischen kam eine Stewardess aus dem gegenüberliegenden Gang angelaufen, um die Ursache des Staus finden und zu beseitigen. Mit freundlichen, aber auch bestimmenden, Worten wurde der Verursacher des Staus wieder auf seinen Platz verwiesen. Gut, dass ich nicht in der Wartereihe stand. Wahrscheinlich wäre ich nicht so ruhig und geduldig stehen geblieben, wie die nette Dame. Diese ganze Aktion spielte sich ca.10 Reihen vor mir ab und hat sicherlich 5 Minuten gedauert. Es überrascht mich immer wieder, wie viele Passagiere sich so verhalten, als ob es kein Morgen mehr gibt. Nach dem Motto: „Nach mir die Sintflut!“.

Nachtflug
Nachtflug

Nachdem alle Passagiere eingestiegen waren und die Stewardessen mit dem Durchzählen der Passagiere fertig waren, konnte ich mich ein wenig freuen. Der Platz neben mir ist leer geblieben. Das verhieß ausreichend Platz und niemand der mich jede Stunde fragt, ob er mal kurz durch kann, um zur Toilette zu gehen. Glück gehabt! Der Start verlief ohne Probleme und ich beschloss mir einen der Filme aus dem Bord Entertainmentsystem anzuschauen. Nachdem ich meinen Kopfhörer umgetauscht hatte, konnte ich den Film sogar verstehen. Es ist immer wieder schön, wenn Technik funktioniert. Der Rest des Flugzeugs musste nicht ausgetauscht werden. Habe ich schon erzählt, dass ich in Flugzeugen nicht schlafen kann? Ich hatte den Nachtflug und dennoch die Hoffnung, dass es dieses Mal doch funktioniert mit dem Schlafen. Als wir die Reiseflughöhe erreicht hatten, kam auch schon das Essen. Ich hatte mir im Emirates Online Buchungssystem bereits ein Special Meal bestellt. Auf dem Hinflug nach Dubai sollte Asian Vegetarian sein. Der Vorteil der Vorbestellung ist, dass man als Erster sein Essen erhält, bevor der Rest der Tourist Class abgefüttert wird. Das Gute daran ist, dass man auch als Erster fertig ist. Und nach dem Essen die Toiletten noch frei sind. Wer kennt das nicht. Nach dem Essen erstürmt das halbe Flugzeug die Toiletten. Ist mir egal. Mein Essen befindet sich schon da wo es dunkel ist, bevor die anderen Passagiere ihr Essen bekommen haben. Ab zur Toilette, Film zu Ende schauen und dann schlafen. Aber da war der Wunsch der Vater des Gedanken. Fehler Nummer 1: Die Stewardess fragt, ob ich gerne einen Kaffee trinken möchte. Ich sage JA! Fehler Nummer 2: Ich nehme noch einen Whisky Cola. 10 Minuten später war ich wie auf RedBull. Wach und zu allen Schandtaten bereit. Na dann eben nicht schlafen. Was sind schon sechs Stunden im Flugzeug, dachte ich mir. Heute kann ich sagen….sehr sehr lang. Irgendwann, nach gefühlten 24 Stunden landeten wir im Dubai International Airport. Wir hatten eine Parkposition weit außerhalb des Terminals und wurden von Bussen abgeholt. Meinen Stop Over in Dubai hatte ich auf den Rückflug gelegt, wodurch ich jetzt leider acht Stunden Aufenthalt im Transferbereich des Flughafens haben werde. Schnell noch meine Tasche aus dem Gepäckfach über mir herausgeholt und den Kopfhörer eingepackt. Da sah ich auch schon, wie mein Freund 10 Reihen weiter, zu seinem gesamten Hausstand griff, den er in seiner Tasche befördern musste. Und es passierte was passieren musste. Er nahm die Griffe seiner Tasche in die Hand. Mit einem Schwung holte er die Tasche aus dem Gepäckfach. Kurz vor dem Boden hat er noch versucht den durch die Schwerkraft initiierten Fall zu bremsen. Das Ergebnis waren zwei Handgriffe in seiner Hand und eine zu schwere Tasche auf dem Boden des Flugzeugs. Glück gehabt, dass die Tasche nicht noch durch den Boden der Maschine gebrochen ist. Das war schon pure Slapstick. Nur noch in schwarz/weiß, Stan Laurel und Oliver Hardy hätten ihre helle Freude daran gehabt. Als ich aus dem Flugzeug heraus die Gangway betrat, kam es mir vor, als lief ich gegen eine Wand. Eine Wand aus Hitze und Schwüle.

Dubai International Airport - Wartebereich am Gate
Dubai International Airport – Wartebereich am Gate

Meine Schweißdrüsen reagierten sofort auf diesen Angriff auf meinen Körper und verteidigten ihn durch extreme Flüssigkeitsproduktion. Das Stück, oben von der Gangway bis zum Bus, war heftig. Den Unterschied vom vollklimatisierten Flugzeug zur Wüstenhitze Dubais hatte ich nicht so beeindruckend erwartet. Leider fuhr der erste Bus bereits voll ab. Der nächste Bus kam aber bereits angefahren. Im Bus dann das genaue Gegenteil. Die Klimaanlage auf Maximum. Der Bus war schnell voll. Hatte aber fast nur Stehplätze. Nachdem sich die Türen geschlossen hatten und die Klimaanlage auf die Passagiere mit ihren durchgeschwitzten Kleidungsstücken blies, war ich mir sicher, dass hier für so einige grippale Effekte der Grundstein gelegt wurde. Der Bus fuhr 20 Minuten zum Terminal. Dort angekommen wurden die Passagiere getrennt, zwischen den Passagieren, die als Endziel Dubai hatten und dem Rest, der weiter flog zu anderen Zielen. Wir, die noch weiter flogen, mussten Richtung Transfer-Bereich. Als erstes noch einmal Schlange stehen am Security Check. Alle Passagiere, die in den Transfer-Bereich wollen, müssen nochmals durch den Security Check wie am Heimatflughafen. Das hieß, nochmals Schuhe ausziehen. Gürtel raus. Geld, Schlüssel, Kugelschreiber, Handy und alle anderen Gegenstände aus den Taschen in die Plastikschalen legen. Das unangenehme war nur wieder einmal meine Technik/Laptop Tasche. Mit all den Kabeln, Adaptern, Laptop, Foto und Videosachen, kam es, wie es kommen musste. Ich musste mal wieder mitkommen. Die Sicherheitsbeamten nahmen eine Wischprobe von den Innenseiten meiner Tasche und der Geräte. Ab in den Massenspektrographen. Natürlich negativ, aber ich hatte ja sowieso genug Zeit. Nachdem ich den Transfer Bereich über eine Rolltreppe betreten hatte, lief ich in eine Fülle von Menschen. Die Anzeigemonitore waren direkt in der Mitte angebracht. Das erleichterte das Suchen des Abfluggates. Noch siebeneinhalb Stunden Aufenthalt in Dubai. Erst mal ein wenig den Flughafen entdecken. Durch Duty Free Shops, Handy und Technikläden laufend, erreichte ich den Global Player mit dem großen M auf dem Logo. Leider konnte man nur in der einheimischen Währung bezahlen. Und nein, man nimmt auch keine Kreditkarten. Also erst mal zum nächsten Geldautomaten und ein paar Dirham aus dem Automaten ziehen. Genug für den Global Player mit dem großen M und einem guten Latte Macchiato bei einem Kaffeeladen. Was können 7 Stunden lang sein. Die Computer stimme, die hier allgegenwärtig ist und in verschiedenen Sprachen die Reisenden auf Flüge und Verspätungen aufmerksam macht, kann ganz schön lästig sein. Sicher, wenn man versucht, auf einem Flughafen in einem Liegesessel zu schlafen und krampfhaft mit der rechten Hand die Techniktasche umklammert.

Burger King - Dubai International Airport -
Burger King – Dubai International Airport –

Nein, das mit dem Schlafen wird hier auch nichts. Nach fünfzehn Minuten bin ich wieder aufgestanden und beschloss mir lieber den Flughafen anzuschauen. Nur für noch sechseinhalb Stunden gibt es nicht genug im Flughafen zu sehen. Und ich bin auch schon fast 24 Stunden auf den Beinen. Den Flughafen hat man in einer Stunde gesehen, wenn man sich viel Zeit lässt vielleicht eineinhalb Stunden. Ich muss zugeben, sehr beeindruckend. Aber ein Bett wäre mir jetzt lieber gewesen. Am Ende des Flughafens fand ich ein ruhiges Plätzchen. Dort konnte ich mein Handy aufladen und meinen Laptop herausholen. Es gab kostenloses WLAN. Noch mal schnell über VOIP nach Hause angerufen und gesagt, das alles OK ist. Alles andere hätte man dann wohl auch aus den Nachrichten vernommen. Noch fünf Stunden bis zum Weiterflug. Habe ich noch ein wenig Hunger? Nein. Im Grunde nicht. Aber wie vertreibt man sich sonst die Zeit. Reisenotizen sind im Laptop festgehalten und weiter nichts zu tun. Am anderen Ende des Flughafens befindet sich der größte Konkurrent des Global Players mit dem M im Logo. Da gehe ich jetzt hin. Erstens muss ich weit laufen, das hilft mir die Zeit tot zu schlagen und zweitens ist es nur fair beiden Fast Food Restaurants einen Besuch abzustatten. Nachdem ich bestellt, bezahlt und gegessen hatte, schaute ich auf die Uhr. Wieder eine Stunde weniger. Jetzt wieder in die andere Richtung. Dort habe ich auf dem Weg nach der Fast Food Futterkrippe eine Whisky Bar gesehen. Dort kann man die Zeit sicherlich auch angenehm verbringen. Und man akzeptierte dort auch Kreditkarten. Das nenne ich Service am Kunden. Da freut man sich an den kleinen Dingen des Lebens. Jedoch konnte ich hier auch nicht bis zu meinem Flug bleiben, da ich diesen dann mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit verpasst hätte. Aber von der Whisky Bar zur Kaffee Bar war es nicht weit. Hier noch einen doppelten Espresso trinken. Die ganzen Ess- und Trinkgeschäfte leben hier von der Langeweile der Leute. Die Elektroartikel, wie zum Beispiel Handys oder MP3-Player, empfand ich für einen Duty-Free-Bereich als sehr teuer. Aber auch hier kann man Frustkäufe erledigen.

Flug-Gate am Dubai International Airport
Flug-Gate am Dubai International Airport

Es wurde Zeit sich langsam in Bewegung zu setzen, da das Gate in 10 Minuten öffnen sollte. Genau so lange war der Fußmarsch zum Gate. Als ich ankam, öffnete eine freundliche Mitarbeiterin von Emirates das Gate. Nach einer Boarding-Card Kontrolle konnte ich direkt an Bord gehen. Wieder ganz hinten den Platz reserviert aus den bereits geschilderten Gründen. Dieses Mal saß ein Autoverkäufer aus Abu Dhabi neben mir, der genau wie ich auf dem Weg in Thailands Hauptstadt war. Die erste Frage von meinem Sitznachbar war: „You want to fly to Bangkok?“. Nein, ich fliege nach Hamburg zur Reeperbahn, dachte ich mir. Natürlich nach Bangkok! Unterwegs aussteigen stand nicht in meiner Planung. Dumme Frage, aber ein Einstieg in ein Gespräch, das im Laufe des Fluges noch recht angenehm werden sollte. Türen zu, den Pushback vollzogen und die 10 Minuten zur Startbahn rollen. Nächster Stop Bangkok – Thailand!

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